Pferd Bodensee
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Das Pferd wieder ins Gleichgewicht bringen

Der Körper von Mensch und Tier ist durchzogen von Faszien. Durch Verletzungen, Fehlbelastungen oder Überanstrengung verdrehen oder verkleben die Fasern dieses Kollagenbindegewebes. Die Folge davon sind Schmerzen. Eine spezielle Behandlung soll dagegen helfen: die Faszientherapie. Auf der „Pferd Bodensee“ von 16. bis 18. Februar in Friedrichshafen wird diese Methode vorgestellt und diskutiert. Ein Therapeut hat sogar eine Faszienrolle fürs Pferd entwickelt.

Der Daumen geht tief hinein in die Haut, der Schmerz schwillt an – und löst sich. Dann arbeitet der Osteopath mit flächigen Bewegungen entlang der Bahn, auf der sich der Schmerz fortsetzt. Hier wird aber kein Muskel behandelt, sondern eine Faszie. „Unter Faszien versteht man alle kollagenen, faserigen Bindegewebe“, sagt Esther Weber-Voigt, Leiterin der gleichnamigen Schule für Pferdephysiotherapie und -osteopathie in Walldorf bei Heidelberg. „Faszien umgeben jeden Muskel, jedes Organ und jedes Band und vernetzen so wie ein Spinnennetz unseren ganzen Körper.“ Alle Faszienstrukturen bestehen aus denselben Grundbaustoffen: Wasser und Eiweiß. Die kollagenen Fasern sind normalerweise parallel zueinander angeordnet. Sie haben verschiedene Aufgaben im Körper zu erfüllen - vom Zusammenhalt über die Bewegungsfähigkeit bis zur Informationsweitergabe. Durch Verletzungen, Fehl- oder Überbelastung können sie sich verdrehen, verkleben oder verfilzen. Mit der Zeit können so Gelenk- oder Rückenschmerzen, Verspannungen, Steifheit oder Blockaden entstehen.

Die 52-jährige Expertin, die auch eine mobile Pferdepraxis betreibt, setzt schon seit vielen Jahren die Faszientherapie ein, wenn ein Sport- oder Freizeitpferd verletzt ist oder Schmerzen hat. „Meine Erfahrung ist, dass diese Therapie überall anwendbar ist und sich sehr positiv auf den Heilungsprozess auswirkt“, erklärt Weber-Voigt. Während der Mensch allerdings beschreiben kann, wo es weh tut, muss der Therapeut bei der Behandlung eines Pferdes sehr sensibel sein. Legt es die Ohren an, weicht es aus, baut es eine Gegenspannung auf – all das sind Hinweise auf Schmerzen.

Auch Benjamin Kohl, Physiotherapeut für Mensch und Tier aus Göggingen bei Stuttgart, schwört auf die Faszientherapie. Er hat schon auf der letzten Messe in Friedrichshafen Werbung dafür gemacht. „Vor allem im Leistungssport, wo das Pferd in der Regel überlastet wird, habe ich sehr gute Erfolge“, erzählt er. Schon nach der ersten manuellen Behandlung gehe es dem Tier deutlich besser. „Meistens reichen bei akuten Problemen drei Sitzungen“, meint der 38-Jährige. Wobei bei Turnierpferden eine regelmäßige Behandlung sinnvoll sei, damit Verletzungen von vornherein vermieden werden. Einer Faszienrolle fürs Pferd steht er kritisch gegenüber: „Aus meiner Erfahrung braucht es einen Profi, der die Ursache lokalisiert und entsprechend behandeln kann.“ So ähnlich sieht es auch Esther Weber-Voigt.

Christoph Machura, Geschäftsführer der Firma RollArt, kann die Skepsis verstehen. Als Chef des Therapiezentrums GangArten mit Sitz im Oldenburger Land dachte er anfangs genauso. Nach intensiven Recherchen und Versuchen hat er seine Meinung aber geändert und vor drei Jahren aus Überzeugung eine Faszienrolle fürs Pferd auf den Markt gebracht. „Die Nachfrage ist enorm, da wir gute Heilungserfolge vorweisen können“, sagt er. Mittlerweile vertreibt Machura zwei verschiedene Rollen aus Erle in Form eines Nudelholzes: die eine glatt, die andere mit Rillen. Die kleine glatte Rolle ist für Kopf und Nacken gedacht, die große rillenförmige für den restlichen Körper. „Ich behandle jetzt als Therapeut seit mehr als 15 Jahren Pferde und stelle fest, dass die Faszienrolle ein tolles, unterstützendes Tool ist“, sagt der 49-Jährige. Er habe lange nach dem passenden Holz gesucht und sei letztlich bei Erle gelandet, die ja bevorzugt an nassen Stellen wächst. Denn: „Die Erlenholz-Rolle stoppt interessanterweise bei jeder kleinen Verspannung - das spürt auch der Laie.“ Bei regelmäßiger Rollkur wird das Gewebe wieder gleitfähig, der Körper ins Gleichgewicht gebracht und die Schmerzen verschwinden. Im Idealfall setzt man die Rolle am Pferd präventiv ein. Nach wie vor behandelt Machura in seinem Therpaiezentrum Schmerzen beim Tier auch manuell, aber „das ist körperlich anstrengender als mit der Faszienrolle“. Und die Effekte seien gleich, wie er immer wieder feststellt.